Krupp AK 360 PDF Drucken E-Mail
Schwarz-Arbeiter
(Titelstory von Holger Gräf und Florian Dasenbrock aus Historischer Kraftverkehr Dez./Jan. 2008)
  
Einer der letzten seiner Art: Krupp AK 360
  
Sie sind ziemlich selten geworden, die dreiachsigen Krupp mit Allradantrieb und Cummins-V6 unter ihrer Haube. Der Krupp-Ausstieg aus dem Lastwagen-Bau hatte sie schon wertlos gemacht, noch ehe sie unter den Händen gnadenloser Schinder ausgequetscht wurden wie Zitronen. Den Rest erledigte der Rost. Ein Sammler aus dem Westerwald hatte sich schon früh ein ziemlich übles Exemplar beiseite gestellt – und jetzt endlich Zeit für die Restaurierung gefunden.
  
Schon zu Beginn seiner Sammelleidenschaft träumte Timo Pistorius nächtelang von Krupp. Doch weniger die Zweitakter hatten es dem jungen Mann aus Selters im Westerwald angetan, sondern deren Nachfolger mit Cummins-Viertaktmotoren. Eines fernen Tages, da war er sich sicher, würde er einen Cummins-Hauber restaurieren. In weiser Voraussicht sammelte er deshalb auf Teilemärkten schon mal fleißig Blech- und Restaurationsteile für den Tax x. Und der kam früher, als erwartet: Ein ebenfalls mit dem Diesel-Bazillus infizierter Onkel von Timo rettete 1986 einen bereits ziemlich verbrauchten AK 360 in buchstäblich letzter Sekunde vor der Griesheim-Säge und bunkerte die traurigen Reste in seinem Garten. Doch so recht wusste er mit dem Wrack nichts anzufangen, und 1993 konnte Timo ihn schließlich davon überzeugen, dass der Krupp bei ihm besser aufgehoben sei. Der Kipper, ein AK 360 mit 210 PS starkem V6-Motor, ist einer der letztgebauten Krupp-Lastwagen überhaupt. Der noch vorhandene Fahrzeugbrief weist als Erstzulassungsdatum den 1. August 1968 aus. Zu diesem Zeitpunkt waren die neuen schwäbischen Eigner der Krawa schon mitten in der Abwicklung der Essener Lastwagenfertigung.
  
Ein Frankfurter Fuhrunternehmen hatte den fabrikneuen Kipper einst erworben, der in den Folgejahren nicht unerheblich an der Entstehung des Frankfurter Flughafens mitgewirkt hat. Offenbar hat man den AK 360 in dieser Zeit ziemlich hart rangenommen, denn bereits 1976 wurde er stillgelegt. Danach fristete er in einer Ecke des Betriebshofs ein trauriges Dasein als Teileträger und Kinderspielplatz. Ein weiteres Jahrzehnt später beschloss sein Eigner dann, den verrotteten Hauber endgültig dem Recycling-Kreislauf zuzuführen. Als Timos Onkel den Krupp unter seine Fittiche nahm, fehlten bereits die Verglasung, einige Karosserie- und zahlreiche Kleinteile. Die meisten Sammler hätten beim Anblick des traurigen Wracks wohl resignierend abgewunken – nicht so Timo. Seine in jahrelanger Suche zusammen getragenen Ersatzteilbestände ließen eine Wiederauferstehung des Kippers durchaus realistisch erscheinen. In den folgenden Jahren verbrachten Timo und sein Vater Kurt dann die eine oder andere Stunde auf, unter und in dem Krupp und bewältigten dabei so manche Herausforderung. Die druckluft-hydraulische Bremsanlage des AK 360 etwa, die aus sage und schreibe acht Radbremszylindern und zwei Hauptbremszylindern besteht, die mit Hilfe entsprechender Reparatursätze in zeitraubender Kleinarbeit regeneriert werden wollten. Überhaupt erwiesen sich lediglich das Getriebe mit Vorschaltgruppe und der kurz vor der Stilllegung des Krupp noch eingebaute Werks-Austauschmotor als die einzigen Bauteile ohne erhöhten Instandsetzungsaufwand.
  
Während sich Vater und Sohn Pistorius mit den Tücken der Technik befassten, erledigte der Reparatur-Betrieb von Heinz Kempf aus Bad Marienberg den Neuaufbau der originalen Meiller-Kippbrücke mit Holzbordwänden und Stahlrückwand. Theo Eichenauer aus Freudenberg führte die umfangreichen Blecharbeiten am Fahrerhaus und die Lackierung aus. Letztere erscheint auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig, ist aber durchaus authentisch. In seiner Schulzeit waren dem jungen Timo regelmäßig Kippzüge in solchen oder ähnlichen Farben begegnet, die in den Westerwälder Basalt- und Schottergruben zuhause waren. Die Erinnerung daran ist bei ihm bis heute hängen geblieben. So ganz sicher ist er sich allerdings nicht, ob sich damals nicht dicke Staubschichten aus Westerwälder Basalt über die originale Farbe gelegt haben …

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(Fotos mit freundlicher Genehmigung von Holger Gräf/Florian Dasenbrock)